S. E. Nasimi Aghayev (li.) und Ashraf Heybatov (Foto: BiWe)
Am 25. Februar lud der Botschafter der Republik Aserbaidschan, Seine Exzellenz Herr Botschafter Nasimi Aghayev, in das Kulturzentrum seines Landes in Berlin-Tiergarten ein.
Die Einladung hatte einen sehr traurigen Anlass. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „Gedenken an den Völkermord in Chodschali: Erinnerung, Gerechtigkeit, Frieden“. Das Massaker von Chodschali ereignete sich während des Konflikts um Bergkarabach am 25. Februar 1992 in der Stadt Chodschali. Die Behörden Aserbaidschans stellten fest, dass 613 Personen, davon 106 Frauen und 83 Kinder, bestialisch ermordet wurden. 476 Menschen wurden dauerhaft entstellt, während von 150 der insgesamt 1.275 Geiseln bis heute jede Spur fehlt. Die Täter stammten aus dem Nachbarland Armenien und waren Armeeangehörige. Der Botschafter sprach davon: „Heute vor 33 Jahren fand der erste Völkermord nach dem Ende des Kalten Krieges statt. Dieses Massaker war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Das Massaker von Chodschali bedeutete für das aserbaidschanische Volk keineswegs das Ende des Leidens. 20 Prozent unseres Landes standen unter Besetzung. Es fand auch die größte Zwangsvertreibung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs statt. Nach einem 44tägigen Krieg konnte man 2020 große Gebietsteile wieder befreien. Rund 10.000 Quadratkilometer Fläche, die einstige Heimat von 800.000 aserbaidschanischen Einwohnern, waren zerstört“. Die Regierung in Baku hat mittlerweile über 10 Milliarden US-Dollar in diese Regionen bereits investiert, um das Land wieder aufzubauen. Da der Feind das von ihm ehemals besetzte Territorium mit zahlreichen Minen nahezu unbetretbar gemacht hatte, muss die aserbaidschanische Regierung auch einen hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand betreiben, um die Minen zu räumen. Der Botschafter wies auch daraufhin: „Aserbaidschan arbeitet an einem Friedensvertrag“. Ferner sagte er: „Die Täter sind auf freiem Fuß. Als wäre nichts geschehen“.
Ashraf Heybatov ist ein renommierter aserbaidschanischer Maler. 1991 nahm ihn die UNESCO in ihre Künstlervereinigung auf. Seit 2018 trägt er den Ehrentitel „Volkskünstler von Aserbaidschan“. 26 seiner Kunstwerke sind aktuell im Kulturzentrum von Aserbaidschan in Berlin-Tiergarten ausgestellt. Alle diese 26 Kunstwerke beschäftigen sich mit dem Völkermord in Chodschali. Der Künstler teilte mit: „Das Massaker von Chodschali ist für uns eine der traurigsten Seiten. Unser Volk wird diese Verbrechen nie vergessen“.
Sariyya Muslimgizi ist Überlebende des Massakers von Chodschali. Die Journalistin und Schriftstellerin hat mittlerweile 21 Bücher und 7 Filme zu diesem Verbrechen veröffentlicht. Sie erklärte: „Vor 33 Jahren ereignete sich in meiner Heimatstadt eine Tragödie“. Sie durfte in ihrem wieder aufgebauten Haus schon den Staatspräsidenten Illham Alijew begrüßen.
Sariyya Muslimgizi sagte, man sei „stolz auf den Wiederaufbau. Man findet wieder Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen vor. Aus den Kindergärten hört man das Lachen der Kinder“.
Wie zerbrechlich der Frieden auf der Welt sich aktuell darstellt, zeigte das Konzert des deutsch-ukrainischen Violinisten, Komponisten und Dirigenten Vladi Corda. Er gewann internationale Wettbewerbe. 2010 spielte er bei der Amtseinführung des Bundespräsidenten. In den letzten 10 Jahren hat er über 1.500 Konzerte mit verschiedenen Orchestern gespielt und geleitet. Er teilte den Gästen mit, in seiner ukrainischen Heimat herrsche Krieg. „Ich bin Geiger. Was kann ich schon ausrichten?“ Vladi Corda gab mit seiner Violine unter dem begeisterten Applaus des Publikums die Antwort. „Ich spiele für Frieden!“
Unter den Gästen im aserbaidschanischen Kulturzentrum in Berlin-Tiergarten traf man u. a. auch Ahmad Omid Yazdani und Prof. Dr. Hakki Keskin an. Der Schriftsteller Ahmad Omid Yazdani hat erst kürzlich sein neustes Buch „Geteiltes Aserbaidschan-Ein bedrohtes Volk“ veröffentlicht. Er ist zudem Vorstandsmitglied des „Aserbaidschanischen Akademie Vereins in Berlin“.
Prof. Dr. Hakki Keskin ist Professor für Politik und Migrationspolitik. Er war von 1995 bis 2005 Vorsitzender der „Türkischen Gemeinde in Deutschland“. Von 1993 bis 1997 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an und war somit der erste türkischstämmige Abgeordnete in einem hiesigen Landesparlament. Von 2005 bis 2009 gehörte er dem Deutschen Bundestag an. Im Pressegespräch teilte Prof. Dr. Hakki Keskin mit: „Diese Veranstaltung hat mich tief berührt. Meinen Dank möchte ich dem Kunstmaler Herrn Ashraf Heybatov ausrichten! Seine hier gezeigten Kunstwerke zum Völkermord in Chodschali sind beeindruckend!“
Text: Volker Neef
Fotos: BiWe